Aus dem Buch:
Der Turm
Sie kommt pünktlich zum Termin. Und ist so selbstbewusst. Was macht sie eigentlich in der Klinik?
Arved Mandor ist Psychiater. Beruflich ordnet er die Seelen anderer Menschen, die eigene hält er gut verschlossen. An diesem Tag hat er die nächste Sitzung mit Taraneh – einer Patientin in der Klinik. Sie nennt sich selbst „Hexe“.
Szene
Im letzten Gespräch hatte sie ihm etwas gesagt, das er noch einmal aufgreifen wollte. Seine Intention war, Kontakt zu ihr aufzubauen und durch sein geschultes Kommunikationsvermögen herauszubekommen, was wirklich mit ihr los war.
Sie sagte ihm, etwas würde schnell kommen und „tiefer Fall“. Damit konnte er nichts anfangen. Sie schaute ihn nur an. Natürlich konnte er damit nichts anfangen. Aber sie wusste, was kommen wird, auch wenn er den Bildern kein Vertrauen schenkte.
Sie setzte sich und fächerte gekonnt ihre Tarot-Karten auf, die sie immer dabei hatte.
„Nehmen Sie eine“ fordert sie ihn auf.



Er ging nicht darauf ein. Er wollte sich nicht zu tief auf dieses Spiel einlassen, dass sie anscheinend mit ihm spielte. Stattdessen fragte er, warum er das tun solle.
„Dann sehen wir, was heute für Sie wichtig ist“, meinte sie gelassen. Er wollte lieber wissen, was für sie wichtig war und ging nicht auf das Spiel ein.
„Wie kann ich Ihnen helfen zu verstehen, wenn Sie blind und taub sind?“, fragte sie ihn.
Er blind und taub? Er war doch ganz offen für das, was sie ihm sagte und zeigte. Und sein Verstand suchte nach allen möglichen Wegen, wie er mit ihr arbeiten konnte. Doch sie fuhr einfach fort:
„Sie glauben, dass Sie offen sind, aber Sie sind es nicht. Sie glauben, dass Sie mir helfen könnten. Dabei bin ich hier, um Ihnen zu helfen.“
Arved hatte schon einiges erlebt und wusste, dass er zwar auf sie eingehen musste, doch er durfte den roten Faden nicht verlieren. Und der hieß: Nach Lehrbuch herausfinden, was mit ihr los ist und sie nach Lehrbuch behandeln. Taraneh zog selbst eine Karte und drehte sie zu ihm um. Darauf war etwas zu sehen, dass ihn schockieren sollte. Doch die Bilder ließen ihn kalt. „Der Mann braucht noch eine Menge Hilfe“, dachte Taraneh und sah ihn mitleidig an.
„Sie sind ein Narr“. Sie sagte es wohl wissend, dass Arved nicht wusste, dass der Narr in ihrem Spiel eine besondere Bedeutung genoss. Er war derjenige, der naiv und enthusiastisch in ein unbekanntes Land aufbricht, um dort Freiheit und Weisheit zu finden.
Die Patientin spielt eine große Rolle in Arveds Leben.
Im Moment weiß er das noch nicht. In diesem Moment, in dieser Sitzung denkt er, dass er der Therapeut ist und Sie seine Hilfe braucht.
Wenn er wüsste…
Im Buch findest Du die ganze Geschichte:
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